Wissenswertes zum Bogensport

Der Anfang

Den Anfang fand das Bogenschießen wahrscheinlich inder Eiszeit vor etwa 50.000 Jahren, denn so zeigten es die Ergebnisse der Archäologen in Bir–el–Atir (Tunesien). Jedoch ist dieses Ergebnis nicht verlässlich, da das Material, das untersucht wurde, unter den äußeren Witterungseinflüssen sehr gelitten hat. Aber die Höhlenzeichnungen in Südfrankreich und Spanien vor 15.000 Jahren zeigen, dass es in Westeuropa trotz vieler Unstimmigkeiten der Experten wirklich den Bogen als Jagdwaffe gegeben haben muss. Bild[1]

Im Mittelalter war der Bogen als Kriegswaffe sehr erfolgreich im Einsatz, da er durch seine starken Zugkräfte von bis zu 90 Pfund die Pfeile so beschleunigte, dass sie jede Rüstung durchbohren konnten. Der Siegeszug des Bogens konnte sogar nach der Einführung des Schwarzpulvers im Jahre 1340 noch für 100 Jahre in England fortgeführt werden. Bild [2]

Den Anfang des Bogenschießens als Volkssport machte aber der erste Bogenclub, der in der Schweiz 1264 mit dem Namen „Edle Pfeilbogengesellschaft der Stadt Bern“ gegründet wurde.

Bogenschießen heute

Heutzutage wird das Bogenschießen hauptsächlich als Sport betrieben, wie z. B. bei den Olympischen Spielen. Dabei kann in vier großen Wettkampfformaten geschossen werden: WA (World Archery) in der Halle, WA im Freien, WA Feldbogen und WA 3D. Daneben kann auch in Wettkämpfen nach Regeln der IFAA (International Field Archery Association) und anderen nationalen und internationalen Verbänden geschossen werden, die hier jedoch nicht im Einzelnen vorgestellt werden. Ansonsten besteht die Möglichkeit, an zahlreichen, auch nicht WA-konformen Turnieren teilzunehmen oder einen von vielen Bogenparcours zu besuchen.

In manchen Ländern wird der Bogen jedoch nach wie vor als Jagdwaffe eingesetzt (z. B. USA, Frankreich). In Deutschland ist die Jagd mit dem Bogen verboten.

Wettkampfformate [3]

WA in der Halle

Recurve-, Compound- und Blankbogen:
18 m

>> 60 Wertungspfeile je Schütze
>> 3 Pfeile in 2 Minuten (Passe)
>> 20 Passen à 3 Pfeile
>> Wertung: 10 – 0 Ringe pro Pfeil

Turniere in der Halle werden im Winter durchgeführt.

[4]

WA im Freien

Olympisch Recurve:
70 m (122 cm Auflage)
Compoundbogen:
50 m (80 cm Spot)
Blankbogen:
40 m (80 cm Auflage)

>> 72 Wertungspfeile je Schütze
>> 6 Pfeile in 4 Minuten (Passe)
>> 12 Passen à 6 Pfeile
>> Wertung: 10 – 0 Ringe pro Pfeil

Wind und andere Witterungseinflüsse müssen auf dem offenen Feld richtig eingeschätzt werden.

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WA Feldbogen

Recurve-, Compoundbogen:
10 m – 60 m
Blankbogen:
5 m – 50 m

>> 4 verschiedene Auflagengrößen
>> 24 Scheiben (2 Runden, 12 bekannte und 12 unbekannte Entfernungen)
>> 3 Pfeile pro Scheibe
>> 24 Passen à 3 Pfeile
>> Wertung:  6 – 0 Ringe pro Pfeil

Das Interessante an dieser Art des Schießens ist jedoch, dass man hier im Gelände nicht nur geradeaus, sondern auch nach unten oder oben schießen muss.

[3]

WA 3D

Recurve-, Compoundbogen:
10 m – 45 m
Blank-, Lang- und Instinktivbogen:
5 m – 30 m

>> 4 verschiedene Tiergrößen
>> 24 Ziele (nur unbekannte
Entfernungen)
>> 2 Pfeile pro Ziel in 120 Sekunden (Passe)
>> 24 Passen à 2 Pfeile
>> Wertung: 11 / 10 / 8 / 5 / 0 Punkte pro Pfeil

Geschossen wird dabei auf dreidimensionale Tiernachbildungen in freier Natur, auch mit Bergauf- und Bergabschüssen.

[4]

[3]

„klassisches“ 3D-Turnier

Bogenklassen je nach Ausschreibung

Jeder Ausrichter kann ein „klassisches“ 3D-Turnier auf seine eigene Art und Weise aufstellen und werten!

In der Regel:
>> 28 – 32 Ziele (dreidimensionale Tiernachbildungen oder Tierbildauflagen) in verschiedenen Größen in teils unwegsamen Gelände
>> unbekannte Entfernungen
>> 3 Trefferzonen: 1. Killzone, 2. Killzone und Körper
>> max. 3 Pfeile pro Ziel (trifft z. B. schon der erste Pfeil, darf kein weiterer geschossen werden; je mehr Pfeile benötigt werden, um das Ziel zu treffen, desto weniger Punkte können erreicht werden)
>> Wertung: 20 – 0 Punkte (1. Pfeil 20 / 18 / 16; 2. Pfeil 14 / 12 /10; 3. Pfeil 8 / 6 / 4)
>> Sonderformen der Jagd nicht ausgeschlossen, z. B. Hunter-Runde (d. h. man hat nur einen einzigen Pfeil zur Verfügung, mit dem man dann treffen sollte, da es sonst keine Punkte gibt), Doppel-Hunter-Runde (ähnlich WA 3D)

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Bogenklassen [6]

Primitiv-/Reiter-/Langbogen

Die Traditionellen

Diese Bogenarten sind die ursprünglichsten und werden oft selbst gemacht (z. B. aus Eibenholz). Sie sind in einem Stück gefertigt und können nicht zerlegt werden. Der Primitivbogen hat keine Pfeilauflage oder Bogenfenster, der Pfeil wird also über die Hand geschossen; der Reiter-/Langbogen ist wahlweise mit oder ohne Bogenfenster („Shelf“) erhältlich.

Viele Lang- und Reiterbögen bestehen mittlerweile aus einem Verbund aus Holz und anderen Materilien (Kunststoff, Carbon, Fiberglas). Die Pfeile können untraditionell und selten auch aus Carbon oder Aluminium mit evtl. Kunststofffedern sein. Nicht so der Primitivbogen – hier dürfen Bogen und Pfeile nur aus Naturmaterialien bestehen! Bezüglich der Materialien ist bei Wettbewerben auf die Ausschreibung zu achten, da ein Langbogenschütze mit Aluminiumpfeilen in eine andere Klasse fallen könnte.

Es wird traditionell mit einem Schießhandschuh geschossen. Der Schießstil ist instinktiv (d. h. ohne System; der Schütze weiß intuitiv, wo er hin“zielen“ muss -> „pick a spot“).

links: Langbogen, Holzlaminat – rechts: Recurve, einteilig, Holzlaminat, instinktiv geschossen [4]

Recurve

Der Vielseitige

„Recurve“ bezieht sich hier auf die Form der Bogenarme. Durch diese umgebogene Form kann mehr Energie in den Schuss geleitet werden. Der Abschuss des Pfeiles wird kraftvoller.

Der Recurve kann aus allen verfügbaren Materialien bestehen – Holz, Verbundmaterialien, Metall, Carbon etc.. Er ist einteilig oder zerlegbar (zum Großteil sind Bogenarme/Mittelteil auswechselbar) erhältlich, mit oder ohne Pfeilauflage (ggf. mit „Button“ für mehr Präzision), kann mit Schießhandschuh oder Fingertab instinktiv oder mit System (sog. „abgreifen“, String-Walking, Face-Walking) geschossen werden. Bei vielen kommt auch ein Jagdstabilistator zum Einsatz. Den verwendeten Pfeilen sind ebenfalls keine Grenzen gesetzt (Holz, Carbon, Aluminium, Verbund, Naturfedern, Kunststofffedern).

Bei Wettbewerben kann nach den verschiedensten Ausführungen, Schießstilen und sogar Pfeilen unterschieden werden. So kann es durchaus sein, dass ein Instinktivschütze mit Metallbogen zu den Schützen mit System (Blankschützen) gerechnet wird, eben weil der Bogen aus Metall ist.

Generell aber wird der sog. Blankbogen mit System und der Bowhunter-Recurve instinktiv geschossen.

Ausgestattet mit Visier, Auszugskontrolle („Klicker“) und  Stabilisatoren zur Gewichtsverteilung wird der Recurve zum Olympischen Recurve – dem Aushängeschild des Bogenschießens bei den Olympischen Spielen.

links: Olympischer Recurve – rechts: Recurve, zerlegbar, Metall, blank geschossen [4]

Compound

Der Moderne

Der Compound ist das High-End-Produkt des Bogenschießens und kann mit allen möglichen technischen Details ausgestattet sein. Er besteht aus den modernsten Materialien und wird mit Carbon-, Aluminium- oder Verbundpfeilen geschossen. Der Compound wird unzerlegt aufbewahrt; er kann und darf ohne eine entsprechende Spannhilfe nicht entspannt werden.

Zu den Hilfsmitteln gehören neben dem Visier z. B. Wasserwaage, Vergrößerung, Sehnenlochvisier („Peep Sight“), Pin-Visier und Stabilisatoren. Der Compound wird nicht mit einem Fingertab oder Handschuh geschossen, sondern mit einer mechanischen Lösehilfe („Release“).

Die Umlenkrollen an den Enden des Compound sorgen dafür, dass das Zuggewicht im vollen Auszug durch eine Art Flaschenzug um bis zu ca. 80 % verringert wird. D. h. der Schütze benötigt zwar zum Ziehen viel Kraft, kann denn Bogen dann aber lange ohne weiteren Kraftaufwand im Auszug halten und ruhig und präzise zielen.

Bei den Klasseneinteilungen bei Wettbewerben kann nach den verschiedenen Ausführungen unterschieden werden.

Compound [4]

Bogenschießen: Pfeil und Bogen und die innere Ruhe / Gesundheit

Quellen:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Bogen_%28Waffe%29
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Teppich_von_Bayeux
[3] Auszüge aus https://www.dsb.de/bogensport/sport/wettkampfformate/
[4] Bilder privat/SV Günztal Eldern e.V.
[5] http://www.bssb.de/bssb/Bogensport/Hamburg_2005_025.jpg
[6] unter Verwendung von www.bogensportwelt.de, www.dsb.de, www.wikipedia.de